• Thomas Weber

WIEN: MYTHOS MIETERPARADIES?

Das ist der 1. Teil meines 2-teiligen Blogs "Wien: Mythos Mieterparadies?"


Jede europäische Metropole kämpft mit steigenden Mieten und immer höheren Wohnkosten. In Wien, so brüstet sich seit Jahrzehnten die sozialdemokratische Stadtregierung, sei das anders: Aufgrund der hohen Ausgaben für den sozialen Wohnbau und gesetzlich festgelegten Mieten im Altbau sei das Wohnen in Wien noch leistbar. Wiens Wohnpolitik kann Vorbild sein, so die Erzählung der SPÖ Wien. Aber, ist das wirklich so?


Ein Expertenteam des Empirica-Instituts rund um Harald Simons von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig wollte das genauer wissen und untersuchte den Wiener Wohnungsmarkt in einer umfassenden Studie. Das Ergebnis dieser Studie ist sehr eindeutig:


"Im Ergebnis ist das Wiener Mietsystem nicht zu empfehlen. Es ist teuer, unsicher, streitanfällig, bürokratisch, intransparent und ungerecht gerade aus Sicht sozial schwacher Mieter, ohne dass die Wohnkosten in Wien niedriger wären als in deutschen Metropolen."


Tatsächlich ist die Mieterbelastung in Wien höher als beispielsweise in Hamburg oder Berlin. Hinzu erschweren höhere Nebenkosten, Betriebskosten und unsicherere Mietverhältnisse den Wiener Mieterinnen und Mietern das Wohnen. Und das, obwohl die öffentlichen Ausgaben in Wien deutlich höher sind als in anderen vergleichbaren Städten. Wie kann es aber sein, dass Wahrnehmung und Realität so krass divergieren?


Laut den Studienautoren liegt das zum einen an mangelnder Transparenz: "Selbst rudimentäre Daten fehlen an vielen Stellen oder werden nicht publiziert. Die Wohnungspolitik in der Stadt Wien kann daher nicht evidenzbasiert sein."


Zum anderen leistet sich die Stadt Wien eine eigene Marketingabteilung, die national und international die eigene Wohnpolitik aktiv bewirbt und sogar Wanderausstellungen organisiert. Zur Ermittlung der Gesamtkosten für die Öffentlichkeitsarbeit von Wiener Wohnen und dem Wohnservice Wien habe ich Ende Februar 2020 eine Anfrage an die Amtsführende Stadträtin für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen gestellt.

Anstatt sich mit den Herausforderungen am Wiener Wohnungsmark auseinander zu setzen, verschwendet die SPÖ-Wien lieber die Ressourcen der Stadt für die eigene Lobpreisung. Das finde ich ungeheuerlich, denn Politik darf die Augen nicht vor unangenehmen Wahrheiten verschließen.

Die Zahlen und Fakten sprechen eine deutliche Sprache: es besteht akuter Handlungsbedarf. Der Mythos vom Mieterparadies Wien ist nicht mehr als ein roter Wahlkampfschmäh. Die Wiener Gemeindewohnungen weisen österreichweit die geringste soziale Treffsicherheit auf. Ich wollte dieses ungerechte System ändern, aber die SPÖ-Wien wollte nicht.


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